Die Normalität im Krieg
Die Ukraine befindet sich seit mehr als zehn Jahren im Krieg. Die Menschen haben andere Sorgen als den Tourismus: Neben der Trauer über den Verlust von kämpfenden Familienangehörigen, der akuten Lebensbedrohung durch Angriffe der russischen Invasionstruppen auch weit entfernt von der Front verhindern die Einberufung von Wehrpflichtigen, Stromabschaltungen, und viele weitere große und kleine Einschränkungen das normale Leben.
“…Denn es ist der Krieg, der gegenwärtig unser Alltagsleben, unsere Routinen, unsere neue Wirklichkeit bestimmt. Der Krieg durchdringt alles und betrifft uns alle – alle, die durch ihr Land, ihre Staatsangehörigkeit miteinander verbunden sind. …”
Serhij Zhadan, ukrainischer Musiker und Schriftsteller (in: Wochen-taz 26. Juli-1. August 2025)
Die Schwierigkeiten, die die Ukrainer im Kriegsalltag auch Hunderte Kilometer von der Front entfernt bewältigen müssen, sind für uns Menschen, deren Leben auf Normalität und Bequemlichkeit ausgerichtet ist, schwer vorzustellen.
„…Die Situation in der Ukraine ist einfach schrecklich. Der Feind hat jetzt seine Angriffstaktik geändert. Er greift eine Stadt gezielt an und beschiesst sie mit allem, was er hat. Das kommt jede Nacht vor. …“
(meine ukrainische Kollegin Oksana in einer Nachricht vom 21. Juni 2025)
Die Ukrainer äußerten bei meinem Aufenthalt jedoch immer wieder Dankbarkeit, dass sie nicht vergessen sind und Menschen aus anderen Ländern auch als Besucher an ihrer Seite stehen.
Urlaub in der Ukraine?!
Als Tourist – gar Urlauber – ist man in einem Land im Krieg allerdings völlig fehl am Platze. Man kann aber durchaus in das Land, das so viel zu bieten hat, reisen: Anstatt einen klassischen Urlaub zu planen, sollte der Fokus auf einer Reise liegen, die besondere Aufmerksamkeit gegenüber Land und Leuten mit sich bringt. Sie könnte die Teilnahme an humanitären Aktionen beinhalten, um den Menschen vor Ort zu helfen und ihre Lebenssituation zu verbessern. So wird der Besuch nicht nur zu einer persönlichen Bereicherung, sondern auch zu einem Zeichen der Solidarität und Unterstützung in schwierigsten Zeiten.
Spenden statt eines Besuchs
Nach dem Schulprojekt in der Ukraine war für mich die Frage, ob, wie und wo ich das Land wieder bereise.
Auch wenn ich es sehr bedauere: Aus ‚persönlichen Gründen‘ – ein unvorstellbarer Luxusbegriff für die Menschen in einem Land im Krieg! – besuche ich die Ukraine im Sommer 2025 nicht. Stattdessen spende ich die voraussichtlichen Reisekosten an ein Projekt, das den Menschen im Land hilft.

Lieber Herr Rohde-Kage,
vielen Dank, dass Sie den Krieg in der Ukraine beleuchten. Ihr Ansatz ist ein starkes Zeichen der Solidarität und des richtigen Verständnisses der Situation. Eine Reise in die Ukraine ist derzeit wirklich kein Urlaub, sondern eine Gelegenheit, Anteilnahme zu zeigen und uns in den schwierigen Zeiten zu unterstützen.
Vielen lieben Dank!