Gendergerechte Sprache? [Annex 5. Juli 2021]

Unsäglich finde ich die Beugung der deutschen Sprache, die mit dem angeblich gendergerechten oder gendersensiblen Aktivismus einhergeht.

Dürft Ihr gerne dort, wo Ihr keine Funktion erfüllt…

Während ich mit einer netten Portion Ambiguitätstoleranz akzeptieren und tolerieren kann, dass sich Menschen in bestimmten Kreisen zur Verwendung der Schreibweise und der – in meinen Ohren unerträglichen – Sprechweise zum Gendern entschließen, empfinde ich es als höchst problematisch, dass sich z.B. der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Teilen ohne nachvollziehbare Diskussion, demokratische Legitimation und Abstimmung  zur Verwendung dieser Sprachform entscheidet.

Ich bin in diesem Zusammenhang gespannt, welchen Nachhall der ‚ARD Zukunftsdialog‚ findet, wenn schon in der Einladung zu diesem Dialog die Gender-Doppelpünktchen das Schriftbild bestimmen.

Die Polarisierung der Gesellschaft

Ich habe noch nie eine so spürbare, aktive Polarisierung und drohende Spaltung der Gesellschaft erlebt, in der nach den schamlosen rechtsextremen Auswüchsen jetzt extrem linke Positionen öffentlich um die Macht der Deutung des Begriffs ‚Wahrheit‘ ringen.

Der Sache nämlich, der freien Entfaltung der Persönlichkeit aller Menschen und der Akzeptanz und Toleranz ihnen gegenüber, wird mit diesem Aktivismus ein Bärendienst erwiesen.

Humor als Genderwirksames Mittel® – frei nach Arno Schmidt

Ich mag Hörspiele und ich mag Arno Schmidt (hier, und hier, und natürlich auch hier…), und letztens begegnete mir das Hörspiel Schwarze Spiegel contd. von Anna Pein frei nach Arno Schmidt, in dem in Minute 29 das Ich/der Erzähler folgendes äußert:

"...'Tischler [–Pause–] in' müsste man sein. Der ist kein Mann, der nich' wenigstens zehn mal in seinem Leben bereut hat, nicht 'Tischler [–Pause–] in' geworden zu sein. ..."

Ich bin TISCHLER, ABER aus Überzeugung ab sofort ‚Tischler –Pause– in‘!

Das generische Maskulinum

Und,  liebe ‚Freund –Pause– Innen‘, bei mir hat der Aktivismus gewirkt. Ich verwende jetzt konsequent und [geändert 5. Juli 2021] sehr bewusst das generische Maskulinum, oder auf weniger schlau: Die allgemein männliche Form, die rein gar nichts  über das angesprochene oder besprochene Geschlecht aussagt und die alle Menschen einschließt, unabhängig von Rasse oder Ethnie, Religion und Geschlecht.

[Annex 5. Juli 2021]: Was ist denn Gendersprache überhaupt?

Eine anonyme IP kommentiert den nächsten Artikel und fragt: „Vor zwei Wochen noch ein breitbeiniges Plädoyer für das generische Maskulinum gehalten und jetzt wird hier schon im ersten Absatz gegendert. …“

Wirklich eine gute Frage: Ich habe die Worte ‚Schülerinnen und Schüler‘ benutzt.

Ist das Gendern? Ich würde sagen ja und nein:

  • Ja, weil es darauf hinweist, das da in den Informatikgruppen nicht nur Jungs gleich Schüler sitzen
  • Nein, weil es weder die Schriftsprache noch das gesprochene Wort mit Sternchen beugt. Es entspricht in meinem Empfinden dem ‚Sehr geehrte Damen und Herren‘. Das ist etwas angestaubt, antiquiert, würde ich aber auch für angemessen halten, wenn im angesprochenen Publikum Menschen sitzen, die sich nicht für eine Dame oder einen Herrn, einen Mann oder Frau halten.

Ambiguitätstoleranz ist ein tolles Zeuch.