Wikimedia und die Spendenkampagne – Wikipedia macht Kohle statt Schule

Nein, ich spende nicht mehr für die Wikimedia Fördergesellschaft, die ihre jährliche Spendenkampagne gestartet hat.
Inzwischen fühlt sich die Mitarbeit in der Wikipedia so an, als würde die Arbeit von Freiwilligen und Enthusiasten erledigt, während die ‚Wertschöpfung‘ beim Verein ankommt.Auswahl_017
Beispiel Schulprojekte: Der Screenshot vom November 2015 zeigt: Seit 2011 ist das Projekt Wikipedia macht Schule tot. Ein paar engagierte Wikipedianer unterstützen unabhängig von der Fördergesellschaft Wikipedia-Autorenprojekte mit SchülerInnen als Referenten – herzlichen Dank nochmal an Dr. Uwe Rohwedder, der uns in einer Projektwoche an die Hand nahm! Der Verein zeigt die lange Nase, wenn es um eine finanzielle Unterstützung geht.

Heißt: Die SchülerInnen und ich haben für die begleitete Arbeit Geld gezahlt. Ein Unding bei diesem Millionen-Budget.Auswahl_016Und trotzdem, SchülerInnen zur Mitarbeit in der Wikipedia zu motivieren, lohnt sich. Berichte und Hinweise, wie man das als Lehrkraft realisieren kann, gibt es hier in diesem Blog: Von der kleinen in die große Wikipedia.

4 Gedanken zu „Wikimedia und die Spendenkampagne – Wikipedia macht Kohle statt Schule“

  1. Es ist ja wirklich schade, dass dieses Schulprojekt gescheitert ist, und dass die Wikimedia Foundation euch kein Geld gegeben hat, aber die Server-Infrastruktur für die Wikipedia (halbes Dutzend Standorte, davon zwei in Europa) will mit Strom versorgt sein und von Fachkräften gewartet werden, die bezahlt werden müssen. Bandbreite kostet auch viel Geld, gerade für große Server-Standorte. Softwareentwicklung und -wartung ist ebenfalls teuer. Richtig teuer! Wer weiß, was die noch für Ausgaben haben. Netzwerksicherheit, PR, Community Management, Anwälte, was weiß ich…

    Wikipedia.org ist eine der meistbesuchten Seiten im WWW, als nicht-kommerzielles Projekt neben Google, Facebook, Amazon, Yahoo. Überleg dir, wie oft du von dort Daten anforderst und skalier das mindestens auf die gesamte westliche Welt. Dann hast du eine ungefähre Vorstellung vom Datenverkehr auf deren Leitungen.

    Wenn die Foundation das Projekt werbefinanzieren oder komplett z.B. an Google verkaufen würde, könnten davon sicher einige Beteiligte steinreich werden. Ich find es schon erstaunlich, das bisher noch nichts Offenkundiges in die Richtung passiert ist. Insofern finde ich deine Überschrift da oben mehr als fragwürdig.

    Ist es wirklich so schlimm, dass dieses Projekt gescheitert ist, und dass die Foundation kein Geld locker gemacht hat? Oder erscheint dir das nur so, weil du persönlich involviert warst? Ist deren Aufgabe nicht vielmehr, Infrastruktur zur Verfügung zu stellen? Und machen sie das nicht sehr gut und sehr zuverlässig?

    Setz dich lieber mit der Kapitalgesellschaft auseinander, für deren Hausmarke du auf deinem T-Shirt wirbst. Wenn du hier etwas schreibst, was denen missfällt und im Netz die Runde macht, bekommst du ne Drohung mit Unterlassungsklage ins Haus und darfst das Bild mit ihrem Markenzeichen von deinem Blog entfernen. Mit freier Software ist es bei denen nicht weit her. Die reden zwar gern davon und verweisen auf ihr re-packaged Debian mit hübschen Fonts und hübscher Spyware, aber hauptsächlich benutzen die FOSS als Sprungbrett für ihre kommerziellen Vorhaben. Das Geld für das T-Shirt hättest du auch der Wikimedia Foundation spenden können.

    Ich find dein Blog nicht schlecht, aber es gibt hier ein paar deadlinks, die auf die alte Domain zeigen. Dadurch wirkt das Blog ein bisschen half-baked — so wie deine Position zum Spendenaufruf.

    1. Vielen Dank für Deinen kritischen Kommentar!

      Vielleicht hätte ich mehr betonen sollen, dass ich kein Geld mehr spende. Ich arbeite weiter für die Wikipedia und versuche, Leute dafür zu begeistern und anzuleiten, wie man mitarbeitet und sie sinnvoll nutzt, wo sie ihre Stärken und Schwächen hat.
      Die Wikipedia hat keinen Traffic an und für sich, sondern weil User wie ich Inhalte erstellen. Da liegt der Haken: Von den Millioneneinnahmen kommen Bruchteile der Verbesserung der Plattform zugute. Würde das Projekt schlechter werden, wenn es an Google verkauft würde? Ich bin nicht sicher.
      Mein Schulprojekt ist trotzdem nicht gescheitert :)!

      Ubuntu macht Sachen falsch, aber ja auch irgendwas sehr richtig, weil Ubuntu Einstieg ist für viele neue Linuxuser. Wo ist das Problem? Dass sie ein kommerzielles Vorhaben sind? Dass sie freie Software gewinnbringend nutzen?

  2. Lass mich den Dank gleich erwidern für das offene Ohr.

    > … sondern weil User wie ich Inhalte erstellen.

    Die Freiwillen erstellen die Inhalte und das ist viel Arbeit. Ich verstehe das. Aber wenn es die Plattform Wikipedia nicht geben würde, dann wäre diese gemeinnützige Arbeit nicht in der Form möglich. Die Inhalte werden doch nicht für die Wikimedia Foundation erstellt, sondern für die Menschen, die in der Wikipedia nachschlagen und lesen. Das ist der Blickwinkel den ich vorschlage.

    > Würde das Projekt schlechter werden, wenn es an Google verkauft würde?

    Ernsthaft? Weltweit meistbesuchtes Online-Nachschlagewerk unter der direkten Kontrolle eines Großkonzerns, der Geld mit bezahltem page ranking und Datenauswertung für personalisierte Werbung verdient — und das würdest du nicht schlecht finden?

    > Ubuntu… Wo ist das Problem?

    Stichwort: Contributor License Agreement

    http://mjg59.dreamwidth.org/25376.html
    https://twitter.com/zacchiro/status/667607302598320128

    „This means that, despite not being the sole copyright holder, Canonical are free to relicense your code under a proprietary license.“

    Kommerzielle Interessen zu verfolgen, ist nicht das Problem. Red Hat verdient gut Geld mit Open Source, und niemand beschwert sich darüber. Aber Canonical hindert ganz systematisch alle Anderen daran, so auf Ubuntu aufzubauen, wie sie auf Debian aufgebaut haben.

    1. …die Inhalte werden nicht für die Foundation erstellt…‚: Ja, eben. Wenn ich mir die Strukturen bei WM-D anschaue, bekomme ich den Eindruck, dass genau das der Organisation nicht klar ist. Und dass es notwendig wäre, gerade in den Bereich Bildung und Anwerbung von neuen AutorInnen zu investieren. Tut sie aber nicht. Deswegen: Meine Spende ist eine Arbeitszeit-, keine Geldspende.

      Google würde die Wikipedia kontrollieren, wenn sie die Infrastruktur übernähme? Die Wikipedia hat Probleme mit Vandalismus, politisch tendenziösen Artkeln, Werbetexte(r)n. Ich bin aktiv im Themenbereich Deutschland-Polen. Vergleicht man die Artikel in WP:DE und WP:PL, können sie teilweise nicht weniger unterschiedlich sein. Würde Google die Infrastruktur -Softwareentwicklung und Servertechnik- übernehmen, gäbe es immer noch sehr unterschiedliche Artikel. ‚Verkauf an Google‘ oder ‚direkte Kontrolle‘ klingt wild, ist aber de facto nicht möglich. Die Stiftung wäre allerdings gefordert, den ‚Kern der Wikipedia‘, nämlich die Inhalte und deren Erstellung zu unterstützen. Das tut sie jetzt absolut unzulänglich, feiert sich aber trotzdem selber. Trotz ihres Etats gibt es keinen guten Editor, keine ausgefeilte mobile App (die aktuelle Version der existierenden ist übrigens nur über den Playstore verfügbar, nicht über F-Droid.org…wie kommt das?), die Commons-App wurde eingestellt, Teilbereiche wie die Kategorisierung sind eine einzige Katastrophe. Nein, ich sehe kein Problem, Google ‚ins Boot zu holen‘. [Solltest Du wirklich tiefer am Thema WP interessiert sein, würde ich gerne wissen, was Du zu den Deals der WP mit den Mobilfunkbetreibern auf dem afrikanischen Kontinent sagst, Stichwort ‚Netzneutralität‘ usw. …]

      Der Umgang von Ubuntu mit EntwicklerInnen, ihr (möglicherweise) harscher Umgang mit Kritikern ist eine für mich völlig überflüssige Diskussion. Nutz es, oder lass es, entwickle für sie oder nicht, aber diskutier nicht. Ich helfe in der gesparten Zeit Menschen, irgendein Linux oder freie Software auf ihren Rechnern zuverlässig zum Laufen zu bringen und zu halten :)! [Auch hier geht mein Interesse viel weiter: Wie ist das mit OSS, die fröhlich in der Militärtechnik -aktuell Drohnen- eingesetzt wird?]

      Nochmal vielen Dank für den Hinweis mit den toten/falschen Links in meinem Blog, verursacht vor allem durch den Domainumzug. Ob den Blog jemand liest, ist mir ziemlich egal, aber wenn er gelesen wird, soll es nicht ganz schlimm sein ;)!

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