3D-CAD unter Linux mit ‚MEDUSA4 Personal‘

Dieses Blog stellt Opensource-Software in den Mittelpunkt. Trotzdem gibt es Situationen, die den Einsatz proprietärer Software nötig machen, weil es selten vorkommt, dass (bisher) kein quelloffenes Programm für den entsprechenden Anwendungsbereich verfügbar ist. Das teilweise fehlende Angebot an einer bestimmten proprietären Software ist eines der Standard-, und, um es direkter zu sagen: Totschlag-Argumente gegen die Nutzung von Linux-Desktops. Es wird häufig nicht gefragt, welche Anwendungsaufgabe eigentlich gelöst werden soll, sondern in den Mittelpunkt rückt, „dass es da ein Programm gibt, das ich vermeintlich kenne und das alle haben„. Dass es für die allermeisten Aufgaben hochwertige Opensource-Alternativen gibt, spricht sich nur sehr langsam herum. Der Bereich CAD/CAM-Software hat allerdings vor allem im Bereich der 3D-Entwicklung noch sehr wenig zu bieten, während die Paketverwaltung (der ‚Programm-Store‘ unter Linux) randvoll ist mit sehr guten 2D-Zeichenprogrammen.

Für ein Schulprojekt gab es eine klare Zielsetzung: Nur wegen der Teilnahme an einem Wettbewerb zur Entwicklung eines Formel-Eins-Rennwagenmodells sollte nicht auf die komfortablen Linux-Arbeitsplätze verzichtet werden.

Der Support zu weit weg: CollabCAD

Flag of IndiaDie Suche führte zunächst zu CollabCAD, einerm Programm, das vom indischen National Informatics Center entwickelt und betreut wird. Der Slogan des Instituts lautet: ‚The IT support professionals‚. Nach unseren Erfahrungen antworten wir: „Well, we would like to believe…

Obwohl das Institut diesen Anspruch formuliert, war es zunächst unklar, welche Lizenzbedingungen – auch für uns als Schule – überhaupt gelten. Später erwies sich, dass es nur schwer möglich war, kompetent Auskunft über diverse Fehlermeldungen zu bekommen, die den Programmstart verhinderten. Einen ersichtlichen Grund für die Supportlücke gab es nicht, auffallend war nur, dass es mehrere AnsprechpartnerInnen gab, die jeweils neu eine Fehlerbeschreibung anforderten. Letztlich kümmerte sich offenbar eine Zeit lang niemand mehr um das Anliegen, sodass das Programm nicht genutzt werden konnte.

Mit nur geringem Aufwand: MEDUSA4 Personal von CAD Schroer

Der zweite Anbieter, die Fa. CAD Schroer aus Moers, öffnet(e) die Türen ganz weit für die Nutzung Ihrer 3D-CAD-Software in Schule und Ausbildung auf Linux-Desktop-Systemen: Es gibt für die angebotene Software ‚MEDUSA4 Personal‚ einen eindeutigen Hinweis auf die Nutzung in Schule und Ausbildung: Mit dem Angebot einer einjährigen, auf die MAC-Adresse eines Rechners bezogene Lizenz, die dann erneuert werden muss. Der Lizenzschlüssel kann über eine, nämlich die Mailadresse der Lehrkraft, abgerufen werden. Damit müssen Mailadressen der SchülerInnen nicht weitergegeben werden, selbst wenn SchülerInnen die Software zu Hause nutzen wollten. Zu dem Programm hat CAD Schroer ein Supportforum eingerichtet, das die Nutzergemeinde in den Austausch über die Software (Bedienung, Fehlerbehebung usw.)  miteinbezieht. Damit war eine Fehlermeldung beim Start auch schnell beseitigt.

Oh je, die Konsole?

Erfahrungsgemäß scheitern Lehrkräfte nicht selten an einer einfachen Programmbedienung, die nicht einem exakt gleichen Schema folgt sind SchülerInnen extrem flexibel, wenn es darum geht, ein Problem zu lösen. Dass der Programmstarter ‚irgendwie‘ nicht funktionierte, und die SchülerInnen stattdessen mit Administratorrechten (das ‚sudo‚) in der Konsole das Programm öffnen mussten, war nur einen Moment lang eine Hürde. Dass dann auch noch entdeckt wurde, dass sich die Konsole an die letzten Befehle durch die Pfeiltasten ‚erinnert‘, ergab in der dritten Stunde einen schönen Workflow: Rechner hochfahren, Browser starten und das (Schul-)Mailkonto checken, die Konsole und MEDUSA4 Personal starten. Wenn alles so einfach wäre.

konsolenstart medusa4personal

Ein Stück Realität

Der Vollständigkeit halber soll hier erwähnt werden, dass das Projekt aus organisatorischen Gründen leider keinen Abschluss fand 🙁

Fazit

Ein kurzes, auch pädagogisches Fazit:

  • Die Software MEDUSA4 erscheint sehr hochwertig, und trotz der Komplexität noch verhältnismäßig intuitiv zu bedienen.
  • Das Programm bietet sich für die Klassenstufe 9, besser noch 10 an. In der Oberstufe sollten SchülerInnen Aufgaben allein mit den Tutorials (s.u.) bewältigen können.
  • Ein möglicher Unterrichts- oder Projekteinstieg in der SI ist das Erstellen einer 2D-Zeichnung z.B. mit LibreCAD, die dann unter MEDUSA4 Personal in 3D umgewandelt werden kann.
  • Youtube-Tutorials auf dem Channel von CAD Schroer bieten teilweise hervorragende Anleitungen, die gut nachvollziehbar sind.

CAD Schroer Youtube Channel

Kennen Sie das Programm, haben Sie es (unter Linux) in Schule oder Ausbildung eingesetzt? Gibt es eine vergleichbare, quelloffene Software?

Nutzen Sie die Kommentarfunktion.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.